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Mehr Mitsprache

Informieren Sie sich und entscheiden Sie mit!

Kreuzschmerzen – Und jetzt?

Vielen von Ihnen ist diese Situation sicher bekannt: Nach einem intensiven Tag bei der Arbeit, nach dem Aufstehen oder einer langen Autofahrt spürt man einen Schmerz im Rückenbereich, der auch am folgenden Tag noch vorhanden ist.

Manche von Ihnen werden daraufhin direkt einen Arzt * eine Ärztin aufsuchen, andere im Internet nach Informationen zu den Symptomen recherchieren. Doch wie erkennen Sie gute Informationen aus dem Internet? Kann man allen Aussagen Glauben schenken? Und wie bereiten Sie sich optimal auf Ihr Arzt-Patienten-Gespräch vor?
Oft ist die Zeit von Behandelnden während der Konsultation knapp und man hat danach nicht immer das Gefühl, alle Fragen gestellt oder Informationen erhalten zu haben, die für eine gute Therapieentscheidung erforderlich sind.

Im Folgenden wollen wir Ihnen Anregungen geben, wie Sie verlässliche und qualitätsgesicherte Informationen erhalten können. Damit möchten wir Sie dabei unterstützen, sich gut auf das Gespräch mit dem Arzt * der Ärztin vorzubereiten und sich gemeinsam mit ihm*ihr für die am besten für Sie geeignete Therapie zu entscheiden.

1. Vor dem Gespräch

Das Arztgespräch kann manchmal einschüchternd sein. Dabei sollte es Ihnen die Gelegenheit bieten, alle Fragen zu stellen und Unklarheiten auszuräumen.

Um nichts zu vergessen, ist es sinnvoll, sich vor dem Gespräch vorzubereiten. Überlegen Sie sich vor dem Gespräch mit dem Arzt * der Ärztin in Ruhe, was Sie mit dem Gespräch erreichen wollen.

  • Was möchten Sie vom Arzt wissen und was möchten Sie der Ärztin von Ihren Beschwerden, aber auch von Ihren Befürchtungen oder Wünschen hinsichtlich der Behandlung mitteilen?
  • Was soll für Sie persönlich durch die Behandlung besser werden, z. B. weniger Schmerzen oder bessere Beweglichkeit?
  • Inwieweit möchten Sie in die Behandlungsplanung mit einbezogen sein?

Es kann Ihnen helfen, wenn Sie sich Ihre Fragen vorab auf einen Zettel notieren, so vergessen Sie während der Besprechung mit dem*der Behandelnden nichts Wichtiges. Die Fragen können Sie im Arztgespräch gemeinsam durchgehen.
Nutzen Sie die Gelegenheit, selbst aktiv zu werden und aktiv in der Diagnosefindung beteiligt zu sein, indem Sie Ihrem Arzt * Ihrer Ärztin Fragen stellen. So können Sie ihm*ihr helfen, die richtige Krankheitsbestimmung (Diagnose) zu finden.

Schreiben Sie sich Ihre neuen Beschwerden und Probleme so genau wie möglich auf. Was hat sich seit dem letzten Gespräch verändert (Schmerzen, Medikamente, Gefühle, Alltagsprobleme)?

Wichtige Fragen

Damit Sie mit einem guten Gefühl aus dem Gespräch gehen, haben wir hier wichtige Fragen für Sie gesammelt, die Sie Hausärzt*innen stellen können.

  • Wie wird das vorliegende Gesundheitsproblem bzw. die Krankheit bezeichnet?
  • Was sind die Ursachen der Symptome oder Erkrankung?
  • Kann ich die Symptome oder Erkrankung durch mein eigenes Verhalten beeinflusst haben, z. B. durch zu viel körperliche Arbeit oder fehlende sportliche Betätigung?
  • Welche Folgen kann die Krankheit haben?
  • Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
  • Was kann ich selbst tun, damit die Symptome nachlassen und um die Krankheit positiv zu beeinflussen?
  • Was sind die möglichen Vor- und Nachteile der Behandlungen, die infrage kommen?
  • Wie gut sind die Behandlungen wissenschaftlich untersucht?
  • Was passiert, wenn ich abwarte und nichts tue (also mögliche Empfehlungen zu Verhaltensänderungen und / oder Therapien nicht berücksichtige)?

Quellen: [1], [2] und [4].

2. Während des Gesprächs

Idealerweise sollten Sie dem*der Behandelnden zu Beginn des Gespräches so viel wie möglich über Ihre aktuellen Beschwerden, Ihre Gedanken zur Ursache der Symptome, Ihre Befürchtungen zu den Beschwerden und Ihre Erwartungen an den Arzt * die Ärztin erzählen.

Dazu können auch Ihre medizinische Vorgeschichte, Begleiterkrankungen und Ihre Lebensumstände gehören. Dieses Gespräch ist die Grundlage für das weitere Vorgehen, z. B. weitere Untersuchungen, und sollte daher auch die Fragen beinhalten, die Sie zum Ende des Besuchs geklärt haben wollen. Darum nutzen Sie diese Gelegenheit, selbst aktiv zu werden und Ihrem Arzt * Ihrer Ärztin Fragen zu stellen.

Falls Sie Ihr Arzt * Ihre Ärztin direkt zu mehr Details Ihrer Beschwerden befragen sollte, bevor Sie Ihre eigenen Gedanken, Befürchtungen und Erwartungen erzählen konnten, bitten Sie ihn*sie freundlich, diese zunächst kurz anzuhören, bevor Sie weitere Detailfragen zu den Beschwerden beantworten. Ihre Gedanken, Befürchtungen und Erwartungen sind enorm wichtig für den weiteren Verlauf des Gespräches, die Untersuchungen und die gemeinsame Planung der Behandlung.

Nachdem Sie dem Arzt von Ihren eigenen Gedanken, Befürchtungen und Erwartungen berichtet haben, wird er Ihnen eine Reihe von Fragen stellen, etwa mit folgendem Inhalt:

Nachdem Sie dem Arzt * der Ärztin von Ihren eigenen Gedanken, Befürchtungen und Erwartungen berichtet haben, wird er*sie Ihnen in der sogenannten Anamnese (Bestandsaufnahme) eine Reihe von Fragen stellen, etwa mit folgendem Inhalt:

Mögliche Fragen des Arztes * Der Ärztin an Sie
  • Wo haben Sie Schmerzen? Sind die Schmerzen vornehmlich im Rücken oder strahlen sie aus, also ziehen sie z. B. ins Bein?
  • Wann und in welcher Situation sind Ihre Beschwerden das erste Mal aufgetreten? Haben Sie in der Vergangenheit schon mal Kreuzschmerzen erlebt?
  • In welchen Situationen werden die Beschwerden besser? Wann verschlimmern sie sich?
  • Wie ist der zeitliche Verlauf der Schmerzen (tagsüber, nachts)?
  • Haben sich die Schmerzen in den letzten Tagen / Wochen / Monaten verändert?
  • Wie stark empfinden Sie die Schmerzen? Schränken Sie die Schmerzen in Ihrem Alltag ein?
  • Sind Ihre Schmerzen schon behandelt worden? Wie wurden sie behandelt?
  • Empfinden Sie vermehrt Stress, Sorgen oder Ängste? Leiden Sie an einer psychischen Erkrankung, wie z. B. einer Depression?

Versuchen Sie, die Fragen des Artzes * der Ärztin so genau wie Sie können zu beantworten. Ihre Antworten können Sie sich auch schon Zuhause überlegen. So wird es für beide einfacher, die für Sie am besten zutreffende Diagnose und entsprechende Behandlung zu finden.

Allgemein gilt
  • Verschweigen Sie nichts und geben Sie ehrliche Antworten, z. B. bezüglich der Stärke der Schmerzen oder begleitenden Symptomen (z. B. Blasenstörungen). Eine vollständige Antwort ist wichtig, damit der Arzt * die Ärztin alle wichtigen Informationen hat.
  • Es ist erlaubt und manchmal sogar notwendig, sich während des Arztgespräches Notizen zu machen. Sie können den Arzt * die Ärztin auch um schriftliche Informationen bitten.
  • Fragen Sie nach, falls Sie etwas nicht genau verstanden haben. Beispielsweise: „Ich habe verstanden, dass ich diese Übung auch zu Hause alleine machen kann, aber muss ich sie täglich ausführen oder reicht auch dreimal in der Woche?“
  • Bitten Sie um die Erklärung medizinischer Fachausdrücke. Beispielsweise: „Was ist eigentlich mit ‚Rückenschule‘ genau gemeint?“ oder „Was bedeutet ‚Osteoporose‘?“

Quellen: [1], [2] und [4].

3. Nach dem Gespräch

Die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Therapie ist Ihre ganz persönliche.

Überlegen Sie nach dem Arztgespräch, ob alle Ihre Fragen beantwortet wurden.

  • Fühlen Sie sich generell ausreichend informiert, um entscheiden zu können? Weitere Informationen finden Sie auch unter » Wissen.
  • Kennen Sie die Vor- und Nachteile der Behandlungen? Wägen Sie die mögliche positive Wirkung der Behandlung (Vorteil) und mögliche Nebenwirkungen und den Aufwand für die Behandlung (Nachteil) gegeneinander ab. Welche Nebenwirkungen und welcher Aufwand ist für Sie noch akzeptabel?
  • Haben Sie für ein solche Abwägung alle Informationen von dem*der Behandelnden erhalten? Wenn Ihnen Informationen fehlen, scheuen Sie sich nicht, bei Ihrem Arzt * Ihrer Ärztin nachzufragen. Auch Selbsthilfegruppen beraten Sie gerne.

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen! Sie können auch erst eine vorläufige Entscheidung treffen und diese danach noch einmal überdenken.

Quellen: [1], [2] und [3].

Infografik zum Arzt-Patienten-Gespräch

Teilen Sie Vorstellungen, Befürchtungen und Erwartungen mit.

Sprechblasen Konsultation
Offener Einstieg

Der Arzt * die Ärztin beginnt mit einer offenen Einstiegsfrage. Nutzen Sie diese, um frei und ohne Druck über Ihren Besuchsgrund zu berichten.

Vorstellungen und Befürchtungen

Sprechen Sie Vorstellungen und Befürchtungen, die möglicherweise im Zusammenhang mit Ihren Beschwerden stehen, offen an.

Erwartungen

Berichten Sie von Ihren Erwartungen von dem Besuch. Erklären Sie, wie Ihnen der Arzt * die Ärztin am besten helfen kann.

Antworten Sie möglichst genau auf die Fragen des Arztes.

Erfragung der Symptome

Erst jetzt sollte Ihr Arzt * Ihre Ärztin Sie im Detail über Ihre Beschwerden befragen. Versuchen Sie möglichst genaue Angaben zu machen und Wichtiges nicht zu vergessen.

Reden Sie mit bei der Entscheidung des weiteren Vorgehens.

Planung des Vorgehens

Achten Sie darauf, dass Sie alles nachvollziehen können und verstehen. Fragen Sie bei Bedarf unbedingt nach. Haken Sie ein, wenn Sie nicht einverstanden sind.

Rückfragen

Vergewissern Sie sich, dass Sie alles verstanden haben und überlegen Sie, ob all Ihre Fragen beantwortet wurden.

Druck und Download

Wenn Sie die Informationen auf dieser Seite abspeichern möchten, können Sie sie als PDF herunterladen. Klicken Sie dafür auf die jeweilige Grafik.

PDF: Vorbereitung auf den Arztbesuch

PDF: Mitsprache im Arztgespräch

Quellen

[1] Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nicht-spezifischer Kreuzscherz. PatientenLeitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie, 2. Auflage. 2017, Zugriff am 13.03.2025.

[2] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Der erste Schritt: Informationen sammeln. Aktualisiert am 13.12.2023, Zugriff am 13.03.2025.

[3] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Der zweite Schritt: Informationen bewerten. Aktualisiert am 13.12.2023, Zugriff am 13.03.2025.

[4] Schmidt E, Schöpf A & Farin E. What is competent communication behaviour of patients in physician consultations? – Chronically-ill patients answer in focus groups. Psychology, Health and Medicine. 2017. 22(8):987-1000.

[5] Bundesgesundheitsministerium: Ratgeber für Patientenrechte, 2022. Zugriff am 13.03.2025.